Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

Kategorie Archiv:Allgemein

08.02.2019

Fragen:

  • Warum scheint uns Kritik an den bestehenden Verhältnissen umso seriöser und glaubwürdiger, je mehr der Kritiker im bestehenden System als erfolgreich gilt?
  • Warum lachen immer wieder Menschen über mich und mein Experiment, nur weil es mich finanziell noch nicht komplett trägt?
  • Warum haben wir so viel Angst, etwas neues auszuprobieren (mich eingeschlossen)?

04.01.2019

Trolle, oder was?
Nach dem letzten Beitrag bekam ich zwei spannende Kommentare. Leider waren beide Anonym, bzw. die angegebenen Mailadressen nicht funktionstüchtig.

Sorry, liebe Schreiber, aber Kommentare von Menschen, die sich so verstecken müßen, werde ich nicht mehr veröffentlichen.

Vielleicht bin ich da naiv und gutgläubig, aber ich wünsche mir, daß wir mit unserem Namen hinter unseren Gedanken stehen. Inklusive dem Recht auf Irrtum!


24.01.2019

24.01.2019

Reiche sollen bei Strafzetteln mehr zahlen …

Der niedersächsische Innenminister Pistorius bringt sich mit dem Vorschlag ins Gespräch, das gerade bei vermögenden Menschen die Abschreckungswirkung von Bußgeldern nicht greife. Wo z.B. ein Frisör bei einem Busgeld für zu schnelles Fahren von max. 680€ in seiner Existenz bedroht ist, da es sich um seinen halben Monatslohn handelt, juckt die selbe Summe einen Großverdiener mit 20.000€ Monatseinkommen natürlich nicht wirklich.

Ein so simpler wie logischer Gedanke: Jeder nach seiner Leistungsfähigkeit. Ob Herrn Pistorius mein Experiment als Anregung diente?

20.01.2019

Ich bin gerade für zwei Tage auf der Bootsmesse in Düsseldorf. Dort halte ich zwei Kurzvorträge über das Segeln mit Familie. Thema: Wie waren unsere Erfahrungen auf der Weltumseglung? Aber bitte in 15 Minuten. Länger geht dort kein Vortrag.

Mhhh. Fällt mir nicht leicht, mich auf so wenig Zeit zu beschränken. Und so bin ich nicht wirklich überrascht, als der Moderator mit Blick auf die Uhr unser gerade in Gang kommendes Gespräch abbricht. Schließlich sollen die Menschen auf einer Messe nur kurz angeregt werden. Themen vertiefen ist nicht vorgesehen.

Und was gibt es sonst so zu sehen?

Das teuerste Boot kostet 6 Millionen und hat 120 Quadratmeter Wohnfläche.

Am anderen Ende der Skala des Wahnsinns findet sich mit der Fa. https://green-boats.de/ ein unternehmen aus Bremen, die statt den üblichen Materialien aus Kunstharz, Glasfaser und Karbon, Boote aus Hanf, Kork und einem Harz,welches zu 60% aus Leinöl besteht, entwickelt hat. Diese Bauweise besteht zu 80% aus nachwachsenden Rohstoffen und ist zu 100% recycelbar. Kostet aber auch zur Zeit noch 30% mehr als die nicht ökologische Variante. Klar, denn da ist ja die Entsorgung noch nicht eingepreist. Also werden weiter fröhlich nicht recycelbare Sondermüll-Schönheiten am laufenden Band produziert. Zur großen Freude kommender Generationen.

Was ich nicht verstehe: Bis auf Hallberg Rassy und Sirius baut niemand mehr eine Scheuerleiste an sein Schiff. Da gebe ich eine halbe Million für meine Traumyacht aus, und beim ersten Anlegemanöver zerkratze ich mir die glänzende Bordwand an einem alten Pfahl. Warum stört das niemanden?

Interessant auch, dass sich offensichtlich niemand ernstlich für die Unterwasserschiffe interessiert. Lange Schlangen bilden sich vor den Messeständen, um einen Blick in das Innenleben der Schiffe zu werfen. Was unter Wasser ist, scheint egal zu sein. So schlängele ich mich einsam zwischen den sich verblüffend ähnelnden Kielformen und ausnahmslos frei stehenden Ruderblättern hindurch. Ob Bavaria, Dufour, Benneteau, Amel oder Hallberg Rassy, von Untern sehen sie alle gleich aus.

Ist das nun gut? Haben wirklich alle Werften die ultimative Zauberformel für das perfekte Unterwasserschiff für jede Anwendung gefunden? Oder ist das einfach eine blöde Mode, denn warum sollte eine Yacht, die für lange Ozeanreisen mit kleiner Crew konzipiert wurde, gebaut sein wie ein Regattaschiff? Da stimmt doch was nicht, oder?

Vielleicht zeigt sich hier aber nur die traurige Wahrheit, dass kaum jemand mehr lange Ozeanreisen macht und darum nahezu alle Yachten für kurze, schnelle Tagestörns konzipiert werden?

12.01.2019

Habe ich das verdient?

Gerade beschäftig mich der Gedanke, was denn geschieht, wenn in 2019 die Spenden des Experiments erstmalig das Budget überschreiten? Wenn ich Gewinn mache?

Was wir bei einem Unternehmen selbstverständlich finden, wirft zumindest in mir eine ganze Reihe von Fragen auf:

  • Habe ich das dann noch verdient?
  • Ist es nicht unmoralisch, mehr Geld einzunehmen, als ich brauche?
  • Bin ich dann erfolgreich?
  • Darf ich mit diesem Geld machen was ich will, oder bin ich dann eigentlich verpflichtet, diesen Überschuss für kommende Törns mit finanzschwachen Teilnehmern zurückzulegen?
  • Sicher ist es OK den Gewinn für die Ausbildung meiner Kinder einzusetzen, oder an mildtätige Organisationen zu geben. Zigarren kaufen geht aber garnicht, oder?
  • Werden Teilnehmer, wenn sie sehen, dass das Budget bereits erreicht ist, nichts mehr zahlen? Wird also dieser Fall selbstregulierend nicht eintreten?
  • Warum beschäftigen mich in meinem Fall diese Fragen, und warum findet kaum jemand etwas daran, wenn z.B. der VW-Konzern mit nachweislich betrügerischen Methoden und fehlerhaften Produkten den größten Gewinn in der Konzerngeschichte einfährt?
  • Würde noch jemand ein Produkt kaufen, wenn am Preisschild zu lesen wäre, wie hoch der einkalkulierte Gewinn ist?

Schon verrückt, wie da in mir Moral und Ethik auf dem Thema liegen. Warum finden wir umgekehrt nichts daran, wenn ein erfolgreicher Unternehmer seinen Gewinn für sich beansprucht. Und wie selbstverständlich ist uns der Gedanke, eben diesen Gewinn auch noch durch Steuervermeidung, Lohndumping, etc. zu „optimieren“. Oder denke nur ich so?

Mich wird dieses Thema sicher noch eine Weile begleiten. Was denkst du dazu?

18.12.2018

 „Großer Jubel, Weltuntergang jetzt mit klaren Regeln“ titelte die taz letzte Woche nach dem „Klimagipfel“.

Mich beschleicht der Eindruck, dass wir einfach bereits verloren haben. Wir – die Menschheit und unsere heutige Kultur – sind einfach nicht mehr zu retten.

Wir werden das 1,5 Grad Ziel nicht erreichen.

Wir werden vermutlich auch das 2 Grad Ziel verfehlen.

Die junge Schwedin, die gerade mit ihrem Schulstreik für das Klima von sich reden macht, liegt leider richtig, wenn sie der versammelten Politprominenz in Kattowitz vorwirft, dass sie einfach zu unreif wären, um überhaupt das Problem zu erkennen. Und keiner widerspricht ihr. Vielleicht ein kurzer Moment der Scham? Dann Business as usual. Die Quartalszahlen – oder nächsten Wahlen wollen überlebt werden. Was schert mich da die Selbstzerstörung der eigenen Spezies?

Aber wo Anfangen mit der „Reife“?

In einer klugen Zeitschrift (OYA) schlug jemand sinngemäß vor, statt Klimaaktivist zu werden, doch einfach nichts mehr zu tun. Und das im großen Stil.

Ja,auch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich nach Lösungen suche, die mit den Worten: mehr, aktiver undAnstrengung zu tun haben.

Was, wenn unser eigentliches Heil im Lassen läge?

Im Ertragen des Nichts-Tun? Schon weil es nichts mehr zu tun gibt, was uns und unsere selbst herbei konsumierte Katastrophe noch aufhalten könnte.

Ausser vielleicht das Loslassen?

Könnte es wirklich so „einfach“ sein?

Aber hej, wer hat gesagt, dass es einfach ist, wirklich nichts zu tun? Ich selbst ertappe mich dabei, wie ich in den letzten drei Tagen, in denen ich konkret keine „wertschöpfenden Tätigkeiten“ zu tun hatte, immer wieder im Netz verschwinde, oder eben ein Buch lese. Beides ist aber wieder mehr vom Gleichen: Konsum!

Einfach nur Sein? Nichts „nützliches“ tun, produzieren, denken, lesen, schreiben, malen, will auch mir nicht gelingen. Spätestens nach einer Viertelstunde selbstverordneten Da-Seins ersticke ich an meiner eigenen Langeweile.

Wie wohltuend sind dagegen die Zeiten an Bord: da gibt es – selbst wenn das Schiff im Hafen liegt – immer zwei Dinge gegen diese Langeweile: Das sich ständig verändernde Wasser und die Menschen an Bord.

Wären also Beobachtung und Begegnung nicht-konsumistische Seinszustände? Echte Ausstiegsalternativen für unsere verbrauchssüchtige Spezies?

Aber wovon reden in den Begegnungen, wenn wir nichts mehr tun? Wovon berichten? Würde noch jemand Zeit mit mir verbringen wollen, wenn ich nichts mehr zu teilen hätte, als mein pures Da-Sein und meine Beobachtungen der verstreichenden Zeit?

Allein diese Frage zeigt mir, wie extrem gefangen ich selbst in der Welt der Aktionen und Ereignisse bin. Einfach nur zu sein ist mir als Alltags – und Dauerzustand so unvorstellbar fern. Mit mir selbst oder auch mitanderen Menschen.

Vielleicht kommen die Menschen eigentlich deshalb zu mir an Bord? Nicht weil ich ein scheinbar verrücktes Geldexperiment mache, oder so toll segeln kann, sondern weil sie bei mir Momente suchen, in denen einfach mal nichts zu tun ist? Momente, in denen sie ungehindert Beobachten/Wahrnehmen und Sein können?

14.12.2018

Lebenszeichen

Yes, I am still alive!

Komme nur gerade nicht zum Schreiben, da ich dabei bin die Website umzubauen:

Inspiriert von einem Gewürzversandhandel in Bremen, bei dem der Kunde den Preis der Ware auch selbst festlegen kann, baue ich gerade mit meinem Entwickler am FairPriceFinder25.de:

Über einen Schieberegler kannst du in Zukunft auf meiner Website den Preis festlegen und sehen, welche Auswirkungen das auf mein Experiment hat. Gleichzeitig macht ein weiterer Regler sichtbar, welcher Beitrag in welcher Relation zu deinem Einkommen stehen könnte. Als Anregung, diesen auch in Relation zur eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit zu sehen.

Nein, das ist jetzt kein Witz, auch wenn es natürlich nicht ganz ernst gemeint ist.

Ich hoffe, das neue Tool wir noch bis Weihnachten fertig.

10.11.2018

Lieber Ben,

Du hattest um Gedanken nach der Reise gebeten…

Viele Grüße
Sebastian

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$:  2016 habe ich eine Woche alleine 3.000€ bezahlt, dieses Jahr 10 Tage als Teil einer 2-3 köpfigen Crew 2.500€. Das finde ich verhältnismäßig. Oder müßte ich mit anderen Menschen an Bord mehr zahlen, da Ben dann mehr Arbeit hat und ich in netter Gesellschaft bin (die Reise mehr wert ist?!) Müßte ich mehr zahlen wenn ich weiß, dass die anderen das nicht so sehen?

§:  Ich möchte eigentlich nicht mit meinem Geld andere Menschen zu der Reise einladen, die ich gar nicht kenne. Dieses Geld spende ich lieber für andere wichtige Zwecke. Ich möchte aber auf jeden Fall auch, dass es Ben und die Phoenix in Zukunft weiterhin gibt. Ich hoffe, mein Beitrag reicht dafür.

?:  Wie kriegt Ben die Spaghetti mit Pilzsauce so lecker hin?

&:  Ist Ben mein Freund – bin ich sein Kunde?

%:  Wie kann ich meinen Alltag mit Menschen vernetzen, die anders denken?

€:  Ist an der Idee mit dem Grundeinkommen doch etwas dran?

03.11.2018

Stürmischer Hafentag (den hatte ich bisher „verschwiegen“…)

Heute kein Segeln, da es bereits am Morgen mit sieben Windstärken über die Kieler Förde pfeift. Für Mittags sind dann flotte acht bis neun angesagt.
Erklärte Schönwettersegler wie ich bleiben da natürlich gerne in Hafen.

Passend zum Wetter fährt es in mir mal wieder Achterbahn:

Da ist zum einen die Faktenlage: Wenn z.B. ein Paar mein Schiff und mich für eine Woche chartert mit der Bitte, keine weiteren Gäste mitzunehmen, und für eine exklusive Woche mit Privatskipper und Koch dann 1.900€ zahlen, fehlen zum Durchschnittspreis, den es für einen nachhaltigen Betrieb bräuchte, 200€. Würden sie ein vergleichbares Schiff ohne Skipper chartern, hätten sie mindestens 1.300€ ausgegeben. So war ihnen meine Arbeit und meine Zeit an Bord also 600€ wert. Für sieben Tage je mindestens 12 Stunden. Ergibt einen Bruttostundenlohn von 7,14€. Nicht berücksichtigt sind dabei die anteiligen Zeiten, die das Schiff vor und nach der Saison an Arbeit ja auch noch braucht.

Gleichzeitig sind 1.900€ für Schiff und Skipper zzgl. der Bordkasse von ca. 330€, also 2.230€ für zwei Personen, viel Geld für eine Woche Urlaub. Macht 318€ am Tag. Yeah! Segeln ist teuer!

Und nun wird`s spannend. Denn hier kommen meine subjektiven Gefühle und Urteile ins Spiel. Zufällig weiß ich, dass die beiden keine Kinder haben. Das Beide eher gut verdienen. Dies nicht ihre erste – und auch nicht die Letzte Woche in diesem Jahr auf einem Boot sein wird. Ihnen die Woche sehr gut gefallen hat. Trotzdem entscheiden sie, dass jemand sie anteilig zu dieser Reise einladen sollte. Und vermutlich wird in diesem Jahr dieser „Jemand“ wieder ich sein.

Ja, wenn ich es so betrachte, bin ich wütend! Habe ich das nötig für 7€ die Stunde für Menschen zu arbeiten, die selber ein Vielfaches davon verdienen? Würden sie selber für diesen Lohn arbeiten gehen? Beides ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem klaren Nein zu beantworten.

Nun mag jemand diesem Frust entgegnen: „Ben, was stellst du dich so an? Klar wirst du gelegentlich draufzahlen. Warum beschwerst du dich darüber? Die meisten Menschen sind noch nicht reif für die Freiheit und die Verantwortung, auch deine Seite des Deals mitzudenken!“

Dem mag ich entgegnen: Wir machen ja hier ein Experiment. Ich „beschwere“ mich nicht, sondern beobachte meine Reaktionen auf die Reaktionen der Menschen zu meinem Versuchsaufbau. Darum gehören auch meine Reaktionen unmittelbar zum Experiment. Sonst wäre das Ganze ja witzlos.

Meist sind mir diese Reaktionen bei mir eher unangenehm und peinlich. Meist behalte ich sie darum für mich. Und ja, meine Frau hat natürlich Recht wenn sie sagt, dass genau diese Reaktionen unbedingt dazu gehören. Dass auch meine Mitsegler ein Recht darauf haben zu erfahren, was ihre Teilnahme und ihr Beitrag bei mir auslöst. Dass das Experiment erst wirklich vollständig ist, wenn es am Ende auch für die Mitsegler ein Feedback von mir gibt: „Schau her, so ist es mir mit deiner Wahl ergangen. Es ist auf einer Ebene vollkommen Ok, wie du dich entschieden hast, denn ich habe dir die Freiheit geschenkt. Und trotzdem gibt es bei mir Reaktionen auf deine Wahl und um diese darfst du auch wissen. Nicht damit du deine Wahl änderst, sondern einfach um der Vollständigkeit halber.“

Wenn ich das so schreibe, merke ich wie sehr ich genau davor Angst habe. Ja, ich schäme mich für meinen Frust und meinen Groll. Ich schäme mich für meine Urteile die ich fälle, ohne wirklich die ganze Lebenssituation der Menschen zu kennen. Ich schäme mich für meine Erwartungen und weil ich gerne schon weiter wäre. Weil ich davon träume, dass es mir wirklich egal ist, was die anderen Menschen tun und reden. Ich schäme mich, weil meine Gefühle mir so deutlich zeigen, wie sehr ich selbst noch in dieses ganze Geldthema verstrickt bin.

15.10.2018

15.10.2018

Jetzt, wo es wieder vorbei ist, wird mir erst so wirklich deutlich, was für ein großes Geschenk es ist, etwas für Menschen tun zu dürfen.

Wie bereichernd für mich, dass ich mit meinen Fähigkeiten und meinem Wissen auch diese Saison gebraucht wurde.

Wie befriedigend und erfüllend, für andere tätig zu sein.

Wie absurd dagegen die Sorge der Grundeinkommens-Gegner, dass ich mich mit einem solchen dann auf die faule Haut legen würde. Das brächte mich um die größte Befriedigung, die Arbeit verschafft: gebraucht zu werden.

Darum hier noch mal ein lautes, herzliches: „Danke, dass ihr mich gebraucht habt.“