Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

Kategorie Archiv:Allgemein

20.06.2019

Hier kommt eine kleine Zwischenbilanz aus der Segel-Finanz-Experiment-Stimmungsabteilung:

Wir haben Mitte Juni und Phoenix ist bereits fast ausgebucht. Es gibt nur noch 11 freie Kojenplätze im September!

Es waren spannende Menschen an Bord und trotz zum Teil sehr durchwachsenen Wetters hatten wir schöne Törns.

Die Mitsegler hatten Spaß und eine erfüllte Zeit.

Mein Essen wurde gelobt und die “zufällig“ zusammengewürfelten Crews haben zumindest in meinen Augen immer gut “gepasst“.

Und:

Mir geht’s grade bescheiden. Meine persönliche Achterbahnfahrt in diesem Experiment saust mal wieder ins tiefe Tal. Wenn es finanziell so weiter geht wie bisher, bleibt mir und meiner Familie am Ende der Saison ein netter Berg Schulden.

Über ein Drittel der bisherigen Mitsegler hat sich entschieden, nicht mal die Summe für die Schiffskosten für ihre Koje (295€) beizutragen. Pro Woche fehlen im Schnitt trotz einiger „Viel-Zahler“ 350€ für einen kostendeckenden Betrieb.

Was sind mögliche Gründe?

Spreche ich mit meinem Angebot nicht genug finanzkräftige Menschen an? Ist es momentan einfach Pech oder Zufall, das gehäuft eher „Weniger-Zahler“ mitfahren? Ist es ein Test, wie sehr ich daran zu glauben vermag, dass am Ende trotzdem genug zusammen kommt? Also einfach nur eine persönliche Geduldsprobe?

Jedenfalls kostet es mich ordentlich Energie, beim Blick auf die momentanen Zahlen nicht die Hoffnung zu verlieren.

Kräuterparadies

Immer öfter finden wilde Kräuter aus der näheren Umgebung des Hafens oder Ankerplatzes ihren Weg in die Bordküche.

Kann ich Giersch, Brennessel und Löwenzahn schon von weitem erkennen, so bin ich erschreckend blind, wenn es darum geht Knoblauchsrauke, Vogelmiere, Labkraut oder Gundermann zu bestimmen.

Selbst mit einem Bestimmungsbuch ausgerüstet, sieht zunächst einfach alles für mein ungeübtes Auge „grün“ aus.

Offenbar ist es für mich bei Wildkräutern nicht wie sonst mit neuen Themen: erwartet man ein Baby, ist man plötzlich von Schwangeren geradezu umzingelt.

Bis ich diesen Zustand bei Wildkräutern erreicht habe, braucht es wohl noch ein wenig Training.

31.05.2019

Eigentlich machen wir hier ja zwei Experimente:

  1. ich übe Vertrauen, dass die Mitsegler genug zahlen, damit ich auch im nächsten Jahr noch da bin.
  2. Die MitseglerInnen sind untereinander solidarisch, in dem diejenigen die mehr zahlen, die die weniger zahlen können, mittragen. Dies mag nicht allen bewußt sein, ist aber eine beachtliche soziale Leistung. Vor allem in Zeiten des immer überhitzter laufenden Neoliberalismus, wo allein mein eigener Vorteil zählen sollte.

Mich ermutigt das sehr!

29.05.2019

Wenn der Bauer nicht Schwimmen kann …

Letzte Woche wurden wir gerammt.

Nein, nicht auf See, sondern festliegend im Hafen von Lyö. Alle Boxen neben uns frei. Ein Charterschiff (natürlich…) versucht abzulegen und bekommt das schiff nicht gegen die 5-6 Bft. gedreht. Anstatt halt sich händisch an einem Pfahl umzudrehen, kurven sie wild im Hafen rum und landen endlich neben uns. Ich komme raus zum Abhalten, aber anstatt dass der gute Skipper den Rückwärtsgang einlegt, gibt er noch ordentlich Gas und kracht uns voll in die Seite. Trotz meiner verzweifelten Versuche gegenzuhalten, Knickt er uns die Reeling um.

Hinterher behauptet er, es habe am Propeller gelegen…

27.04.2019

Bereits am Fliegen…

Unser Sohn Nils ist nun seit einem Jahr in England im Internat Brockwood Park School: http://brockwood.org.uk/.

Das Geld für dieses erste Jahr hatte er weitgehend selber über Fundraising eingesammelt.

Seit einem Jahr macht er dort neben den Pflichtfächern hauptsächlich Kunst.

Die zwei Bleistiftzeichnungen von ihm zeigen schön seine Entwicklung.

Mir bleibt da die Spucke weg. Respekt Nils. Du breitest nicht nur deine Flügel aus, sondern bist schon am Fliegen.

01.04.2019

“ I learned so much from my mistakes.
I am thinking of making a few more.“ (
Wer hat das gesagt?)

27.03.2019

Saisonstart. Brrrrrr.

Phoenix ist schon im Wasser!

Da die Schleuse vor meinem Winterlagerquartier an der Westküste ab Sonntag repariert werden wird, und damit die Passage bis zum Herbst unmöglich ist, hatten wir einen etwas verfrühten Saisonstart. Zum Slippen und Auftakeln war wunderbar warmes Wetter. Leider reichte das nicht für die Überführung. Bei frühlingshaften 3 Grad und schneidend kaltem Wind ging es über die eisige Nordsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Rendsburg.

Jetzt kommt noch die BG-Verkehr-Abnahme (alle zwei Jahre fällig) und dann lasse ich das Schiff hier friedlich von wärmeren Tagen träumen und verziehe mich gen Süden zurück zu meiner Familie.

Aber im Bauch grummelt schon die Vorfreude auf den Sommer, das Meer, die Häfen und Schiffe und herrliche Segelwochen mit spannenden Menschen.

11.03.2019

seit einer Woche läuft meine Fundraising-Kampagne für einen Freie-Kojenplatz-Spendentopf auf Startnext: https://www.startnext.com/glueckssegeln-de.

Nach dem in den ersten zwei Tagen 300€ – und damit erfreuliche 40% des ersten Fundingziels – zusammen waren, dümpelt das Spendenbarometer seit dem in der totalen Flaute.

Meine Vermutung, dass vor allem Menschen aus meinem Umkreis dazu beigetragen haben, hat sich durch einen Blick auf die Statistikfunktion der Seite bestätigt: Nach dem Start und meiner begleitenden Rundmail zeigt sie nur noch 2 Besucher pro Tag an.

Schade, ich hatte gehofft über diese Plattform noch andere Menschen zu erreichen. Aber offensichtlich bewegt sich dort kaum jemand hin um Neues zu entdecken, sondern die jeweiligen Fangruppen und „Follower“ einer Idee/Initiative sind mehr oder weniger unter sich.

Stellt sich mir die Frage, wozu es dann diese Plattform und die damit verbundenen Kosten braucht? Einfach meine „Crowd“ anzuschreiben und um Spenden zu bitten, hätte ich ja auch ohne Startnext machen können!

Was bisher aber wirklich geholfen hat, war der Vorgang meine Ideen in das vorgegebene Format zu bringen. Da hat sich bei mir im Laufe des Prozesses noch einiges zugespitzt und geklärt. Danke dafür. Das war gut.

Als Marktplatz für neue Ideen taugt die Plattform wohl eher nicht. Dafür sind einfach zu wenig „Kunden“ unterwegs. Schade.

06.03.2019

Auf See

Und immer wieder das Thema Geld/Lohn/Einkommen/Auskommen:

Götz Werner, der Gründer von dm, hat es einmal schön auf den Punkt gebracht als er sinngemäß sagte: Man kann Menschen nicht für ihre Fähigkeiten oder Qualifikationen bezahlen. Man kann Menschen nur dafür bezahlen, dass sie da sind und Zeit haben, für einen zu arbeiten.

Eigentlich so simpel. Ob ich ein guter Skipper bin, aber vielleicht ein schlechter Teamführer, spielt für mein Einkommen keine Rolle, denn ohne ausreichendes Einkommen kann ich nicht Skipper sein. Und wenn ich ein „entspanntes“ Einkommen habe, werde ich ein entspannterer Skipper sein, als wenn es finanziell zwackt.

„Und was, wenn du plötzlich Millionen geschenkt bekommst? Gehst du dann noch segeln?“ werden sicher einige nun Fragen.

Ich wüßte nicht, warum ich es nicht tun sollte. Es macht mir Freude, ich bin unter Menschen, auf meinen geliebten Schiff und gleichzeitig in der Natur und ich lerne jeden Tag dazu. Gibt es eine bessere Art seine Zeit zu nutzen?

02.03.2019

Reifezeugnis?

Junge Menschen engagieren sich für ihre Zukunft (Schulstreiks für das Klima).

Ältere Menschen in Führungspositionen werfen ihnen vor, die Schule zu schwänzen (U.a. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, CDU).

Junge Menschen zeigen Verantwortungsbewusstsein.

Ältere Menschen zeigen ihre Unreife …