Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

Kategorie Archiv:Allgemein

Experimentende

Ihr Lieben,

das war’s. Die Saison 2019 ist zu Ende.

Hier kurz die Eckdaten in Zahlen für 2019:

  • 58 Menschen waren zu Gast an Bord (60 Plätze gab es).
  • Mit 32 Teilnehmerinnen waren die Frauen diesmal in der Überzahl.
  • 29.096,26 € sind mir geschenkt worden.
  • 2.138,74 € fehlen noch zu einem ausgeglichenen Ergebnis.
  • 501,66 € war der Durchschnittsbeitrag.
  • 5 Menschen sind ohne Beitrag (bisher …) mitgefahren.
  • 40€ war der niedrigste Beitrag.
  • 1.500,00 € war der höchste Beitrag.

Danke, dass ihr euch auf mein Experiment eingelassen habt.

Vielen Dank auch an diejenigen, die bereit waren von ihren Erfahrungen mit dem Experiment zu berichten. Herausragend waren in diesem Jahr für mich zwei Reaktionen:

Ein Mensch beklagte sich bitter, dass ich mit meiner Bitte um Reflexion über das Geldexperiment im Nachhinein die ganze Reise verdorben hätte.

Die Andere lautete so: “…Die Woche auf dem Boot hat definitiv mein Interesse am Thema nachhaltige Zukunftsgestaltung geweckt. Eine solche „Inspiration“ habe ich so nicht erwartet, nehme sie aber gerne mit nach Hause :)“

Damit endet das erste langfristige (4 Jahre!) Real-Experiment an Bord eines Segelschiffs mit freien Preisen.

  • 210 Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und Vermögensstufen waren in den vier Jahren für jeweils eine Woche an Bord; haben voneinander gelernt, sich gegenseitig inspiriert und den Horizont erweitert.
  • 22 Menschen haben das Experiment finanziell unterstützt ohne je an Bord zu kommen.
  • 108.231,23 € wurden insgesamt gespendet!
  • 124.940,00 € hat das Experiment gekostet.
  • 16.708,77 € ist der Fehlbetrag.
  • 8,75 € betrug mein durchschnittlicher Bruttolohn pro Stunde.

Ganz herzlichen Dank an Alle, die das Experiment finanziell unterstützt haben!

Ganz herzlichen Dank vor allem auch an die Menschen, die sich an Bord getraut haben!

Eine andere Welt entsteht, wenn Menschen sich darauf einlassen. Und diese vier Jahre waren – und sind – Teil einer anderen Welt, die ihr ermöglicht habt.

Ich DANKE Euch!

Und noch ein riesiges DANKE möchte ich an dieser Stelle aussprechen: Liebe Carola (meine Frau …), Danke dass du nun schon vier Jahre mich dieses verrückte Experiment machen läßt. Mich bei meinen Träumen unterstützt. Mit mir die Konsequenzen für das bisher angehäufte finanzielle Minus dieser Forschungsarbeit trägst. Meine persönlichen Tiefpunkte und Höhenflüge mitgegangen bist. Mein neues Katamaran-Abenteuer mitträgst. Du bist die unglaublichste Frau die ich kenne. Danke!

Es grüßt euch herzlich,

der Skipper Ben

Skipper in Aktion

Noch zwei Törns, dann ist der Sommer und die Saison rum. Naja, der Sommer scheint schon jetzt rum zu sein.

Wehmut mischt sich immer wieder in die Freude am Segeln und den Menschen. Sind halt jetzt alles Abschiedstörns mit dem alten Schiff.

Ich werde die Schräglage am Wind vermissen. Die Enge wohl eher nicht. Ich werde den gediegenen Holzausbau sehr vermissen. Und die Stabilität. Dagegen freue ich mich auf den hellen, „oberirdischen“ Salon, in dem ich selbst beim Kochen alles im Blick haben werde. Und natürlich freue ich mich auf die drei Gästekabinen und den damit verbundenen Gewinn an Privatsphäre und Komfort für mich und meine Mitsegler. Dann muß niemand mehr still – oder laut – leiden, weil einige noch gerne abends länger im Salon beisammen sitzen, sondern kann sich einfach in seine Koje verziehen.

Gleichzeitig bin ich schon heftig am Planen für den Winter: Phoenix will eingewintert werden. Anakiwa ist zu übernehmen und will nach Norden überführt werden (bummelige 3.300 Meilen …). Dann muß sie noch durch die Abnahme der BG-Verkehr, wofür noch einige Umbauten auf dem Programm stehen. Die neue Saison mit erweitertem Törnangebot muß geplant und beworben werden. Eine ruhige Winterpause sieht wohl eher anders aus.

Trotzdem bin ich erstaunlich gelassen und entspannt. Mich erfüllt eine große Freude und Spannung. Wie wird sich diese Erweiterung und Veränderung auswirken? Welche neuen Abenteuer bringt dieser für mich große Schritt?

Ihr werdet es gelegentlich hier erfahren!

Nix los hier?

Das scheint nur so.

Seit der Vertrag für ANAKIWA unterzeichnet ist, geht es drunter und drüber.
So viel ist zu bedenken für die Überführung, Umregistrierung, den Verkauf der Phoenix …
Potentielle Käufer wollen bei der Besichtigung betreut werden (und natürlich soll vorher das Schiff geputzt werden …) und all das natürlich immer zwischen den eh schon knappen Crewwechseln.

Aber das klappt alles bisher erstaunlich gut.

Trotzdem sind meine Nerven gelegentlich etwas angespannt. Wird sich der/die neue BesitzerInn für die Phoenix rechtzeitig finden (Warum eigentlich nicht du …)? Klappt alles mit der Überführung von ANAKIWA im Winter/Frühjahr? Spielt das Wetter mit? Kommen genügend Buchungen für den Sommer 2020 zusammen? Klappt alles mit der Übergabe im Herbst?

Viele Möglichkeiten, sich ausgiebig Sorgen zu machen!

Oder einfach eine schöne Gelegenheit, mich weiter im Vertrauen zu üben, dass sich alles fügen wird und ich jeweils zur rechten Zeit am rechten Ort sein werde.

Insofern bin ich ganz happy mit dieser nächsten Stufe in der Entwicklung meines Experiments.

Geschafft!

nach nur zwei Tagen waren die 90.000,00€ für die Zwischenfinanzierung und 50.000,00 für den Kredit zusammen! Unglaublich!

Ganz herzlichen Dank euch Allen und viele Grüße von der – endlich warmen – Ostsee, sendet der glückliche Skipper Ben

ANAKIWA

Ich träume seit einigen Monaten von einer Weiterentwicklung meines Segelprojekts.

Ich träume von einem zweiten Standbein(Rumpf) mit mehr Platz für meine Gäste und erweiterten Möglichkeiten: Mit 4 abgeschlossenen Kajüten ( = Gästezimmern), jeweils mit einem großzügigen Doppelbett. Mit einem großen Gemeinschaftsraum in der Mitte und klaren Rückzugsmöglichkeiten mit echter Privatsphäre.
Und jetzt wird der Traum sehr konkret, den ANAKIWA ist aufgetaucht.

Ein Hochsee-Fahrtenkatamaran vom Typ Lavezzi 40.
12 Meter lang. 6,50 Meter breit. 1,10 Meter Tiefgang. 11 Jahre jung. Platz für 8 Gäste, plus extra Skipperkoje.
Segelt zur Zeit noch in Kroatien. Steht ab Herbst bereit.

Für den Kauf fehlen Carola und mir 50.000€. Und es braucht eine Zwischenfinanzierung von 90.000€, bis Phoenix und unser Zirkuswagen verkauft sind.

Und jetzt haltet euch fest: Gestern habe ich das Projekt in meinem Mailverteiler vorgestellt. Heute sind die 90.000€ für die Zwischenfinanzierung bereits zugesagt, sowie weitere 4.000€ für 5 Jahre.

Ihr Menschen seid einfach unglaublich!

Falls du auch noch etwas Geld für die nächsten 5 Jahre entbehren kannst, freuen wir uns riesig über ein Darlehen von dir! Als Zinsen gibt’s z.B. 3% in Form von Segeltagen an Bord.

Glücksrabe

G

Zu meiner Überraschung hat mein kleiner Blogeintrag von letzter Woche -und der Hinweis an die Versicherung darauf – erstaunlich schnell Wirkung gezeigt: nach nur 2 Stunden klingelt mein Telefon und ein überschwänglich-freundlicher Herr verkündet mir die große „Überraschung“, dass die Generali AG den Schaden an meinem Schiff regeln wird …

Warum sie nicht gleich das Offensichtliche getan haben, bleibt mir ein Rätsel.
Zurück bleibt ein schaler Nachgeschmack und der Eindruck, dass ich nur mein Recht bekomme, wenn ich Druck ausüben kann.

Und was hat das mit meinem Experiment zu tun?

Vielleicht so viel: Wenn schon die vertraglich garantierte Leistung solch ein Problem für einen Konzern darstellt, wie weit sind diese Organisationen dann von einem auf Einsicht und Freiwilligkeit basierenden Ausgleich der Interessen entfernt? Ich werde immer dankbarer für die Menschen, die zusammen mit mir freiwillig diesen Versuch wagen: “Ich stelle deine Bedürfnisse auf eine Stufe mit meinen und suche nicht allein meinen eigenen Vorteil…“

Da bin ich wirklich ein echter “Glücksrabe“, wie mein Sohn Nils es einmal als kleiner Junge formuliert hat und fühle mich sehr privilegiert, dieses Experiment tun zu dürfen.

Ver-Sichert? Lieber nicht bei Generali oder als Makler über die Bavaria AG!

eigentlich ist es fast heiter: vor 6 Wochen wurde Phoenix von einer anderen Yacht gerammt. Das war ärgerlich, hat Zeit, einen Werftaufenthalt und Nerven gekostet. Die verursachende Yacht ist über die Bavaria AG als Makler bei der Generali versichert für genau solche Fälle. Ich habe den Unfall aufgenommen und mit Bildern an die Versicherungsagentur gemeldet, so wie sie es mir in einem Telefonat vorher geraten hatten. Der Eigner der Yacht hat das selbe gemacht.

Drei Wochen keine Reaktion. Auf mein wiederholtes Nachfragen kam immer wieder die Standardantwort: „Ja, wir kümmern uns darum und melden uns dann wieder bei ihnen“. Was sie dann aber nie gemacht haben.

letzte Woche habe ich es dann direkt bei der Generali Versicherung versucht. Angeblich würden noch Unterlagen fehlen. Man würde sich darum kümmern, etc., etc…

Wieder keine Antwort. Diese Woche wurde ich dann etwas unfreundlich bei meinem wöchentlichen Anruf bei der Bavaria-AG (nach 6 Wochen ohne Ergebnis). Aber auch sie konnten mir wieder nur versichern, dass sie ja nicht zuständig sind und bei Generali nachfragen und mich dann ganz bestimmt zurückrufen würden. Ich habe ihnen ein Ultimatum für die Rückmeldung gesetzt. Das ist jetzt um. Nun gibts also hier diese kleine Anekdote über die hart für ihre Kunden arbeitenden Versicherungsmakler und Agenten, die einen Bagatellschaden von knapp 700€ einfach nicht geregelt bekommen.
Was los ist, wenn mal ein wirklich großer Schaden entsteht, mag ich mir da lieber nicht ausmalen.

Ein Witz, wenn auch ein schlechter. Fazit: Lieber sein Schiff nicht über die Bavaria AG bei der Generali versichern lassen. Da droht dann im Schadensfall eher Verunsicherung statt Hilfe.

20.06.2019

Hier kommt eine kleine Zwischenbilanz aus der Segel-Finanz-Experiment-Stimmungsabteilung:

Wir haben Mitte Juni und Phoenix ist bereits fast ausgebucht. Es gibt nur noch 11 freie Kojenplätze im September!

Es waren spannende Menschen an Bord und trotz zum Teil sehr durchwachsenen Wetters hatten wir schöne Törns.

Die Mitsegler hatten Spaß und eine erfüllte Zeit.

Mein Essen wurde gelobt und die “zufällig“ zusammengewürfelten Crews haben zumindest in meinen Augen immer gut “gepasst“.

Und:

Mir geht’s grade bescheiden. Meine persönliche Achterbahnfahrt in diesem Experiment saust mal wieder ins tiefe Tal. Wenn es finanziell so weiter geht wie bisher, bleibt mir und meiner Familie am Ende der Saison ein netter Berg Schulden.

Über ein Drittel der bisherigen Mitsegler hat sich entschieden, nicht mal die Summe für die Schiffskosten für ihre Koje (295€) beizutragen. Pro Woche fehlen im Schnitt trotz einiger „Viel-Zahler“ 350€ für einen kostendeckenden Betrieb.

Was sind mögliche Gründe?

Spreche ich mit meinem Angebot nicht genug finanzkräftige Menschen an? Ist es momentan einfach Pech oder Zufall, das gehäuft eher „Weniger-Zahler“ mitfahren? Ist es ein Test, wie sehr ich daran zu glauben vermag, dass am Ende trotzdem genug zusammen kommt? Also einfach nur eine persönliche Geduldsprobe?

Jedenfalls kostet es mich ordentlich Energie, beim Blick auf die momentanen Zahlen nicht die Hoffnung zu verlieren.

Kräuterparadies

Immer öfter finden wilde Kräuter aus der näheren Umgebung des Hafens oder Ankerplatzes ihren Weg in die Bordküche.

Kann ich Giersch, Brennessel und Löwenzahn schon von weitem erkennen, so bin ich erschreckend blind, wenn es darum geht Knoblauchsrauke, Vogelmiere, Labkraut oder Gundermann zu bestimmen.

Selbst mit einem Bestimmungsbuch ausgerüstet, sieht zunächst einfach alles für mein ungeübtes Auge „grün“ aus.

Offenbar ist es für mich bei Wildkräutern nicht wie sonst mit neuen Themen: erwartet man ein Baby, ist man plötzlich von Schwangeren geradezu umzingelt.

Bis ich diesen Zustand bei Wildkräutern erreicht habe, braucht es wohl noch ein wenig Training.

31.05.2019

Eigentlich machen wir hier ja zwei Experimente:

  1. ich übe Vertrauen, dass die Mitsegler genug zahlen, damit ich auch im nächsten Jahr noch da bin.
  2. Die MitseglerInnen sind untereinander solidarisch, in dem diejenigen die mehr zahlen, die die weniger zahlen können, mittragen. Dies mag nicht allen bewußt sein, ist aber eine beachtliche soziale Leistung. Vor allem in Zeiten des immer überhitzter laufenden Neoliberalismus, wo allein mein eigener Vorteil zählen sollte.

Mich ermutigt das sehr!