Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

30.08.3018

Guten Appetit!

Bin gerade Glücklich. Das Essen schmeckt den Gästen. Sie empfehlen mir, doch im Winter ein vegetarisches Restaurant zu eröffnen …

Danke! Das sind schöne Komplimente. Und sie kommen an. Erreichen mein Herz. Freuen mich.

Ja, es tut gut, wenn meine Fähigkeiten und meine Arbeit geschätzt werden!

28.08.2018

Randnotiz

Am 1. August 2018 hatten wir Bewohner dieses Planeten die gesamten uns für dieses Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen bereits aufgebraucht…

…und wir halten uns für eine hoch entwickelte Rasse und sind stolz auf unsere Errungenschaften und Leistungen.

24.08.2018

Ach du liebes Land, in dem ich lebe!

Da schreien die Einen allen Ernstes: „Absaufen, Absaufen“ und meinen eigentlich Mord. Seit wann darf man in diesem Land öffentlich und ungestraft zum Mord aufrufen?

Da fordert Herr Seehofer doch tatsächlich, die Besatzung eines Schiffs zur Verantwortung zu ziehen, welche einzig eine der Grundregeln der guten Seemannschaft befolgt hat, die da lautet: Menschen in Seenot ist zu helfen!

Gut, dass ein besonnener Bürger ihn wegen der Behinderung von hilfeleistenden Personen angezeigt hat.

Weniger gut, dass wir so einen Menschen als Minister dulden und damit die Gestaltung unserer Gesellschaft mit in seinen Händen liegt.

Gut auch, dass sich eine neue Bürgerbewegung wie die Seebrücke (www.Seebrücke.org) endlich formiert. Die wieder den Focus auf die wesentlichen Fragen lenkt: Wollen wir in Europa eine Insel der Kaltherzigen sein, die schulterzuckend den Tod von Menschen vor ihrer Haustür ignorieren?

Weniger gut, dass immer noch kaum über die eigentlichen Fragen gesprochen wird: Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Flüchtlingsströmen und unserem Handeln in den Ländern des Südens? Und: Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Flüchtlingen und unserem ganz persönlichen Konsumverhalten?

Nicht immer ist es so schlicht wie bei billigem Thunfisch aus der Dose: Erst fischen  Fabrikschiffe das Meer vor Somalia leer und berauben damit die dortigen Fischer ihrer Lebensgrundlage. Die Folge: (noch) mehr Armut, Piraterie als „Ersatzgewerbe“ und eben Flüchtlinge vor unserer Haustür.

Aber klar, wer mag schon freiwillig 1,50€ mehr pro Dose ausgeben für mit der Longline halbwegs nachhaltig und ressourcenschonend gefangenen Thunfisch?

Da geben wir als Gesellschaft lieber Milliarden aus, um unsere Grenzen nun bereits schon in Afrika besser zu schützen.

Liebe Mitkonsumentinnen in diesem schönen Land: Schaltet euer Hirn ein. Macht euch schlau, welche Auswirkungen eure Kaufentscheidungen wirklich haben (das kann etwas Arbeit bedeuten). Kauft möglichst regional. Macht euch bewusst, dass jeder Kauf von euch letztlich heißt: Weiter so. Aber verschwendet nicht euren Atem mit öffentlichen Mordaufrufen, sondern nutzt endlich eure wahre Macht und haltet euch – wenn ihr denn wirklich müsst – die Flüchtlinge durch bewussten Konsum vom Leib!

20.08.2018

Zeitschleife?

Beim Telefonieren mit meiner Frau hatte ich heute ein seltsames Erlebnis: Sie machte mir gerade eine wunderschöne Liebeserklärung, und erzählte dann von dem beglückenden Gespräch, welches sie gestern mit unserer Tochter zum Thema Liebe und Verhütung hatte. Ich bedankte mich, und begann von einem Traum aus der Nacht zu erzählen. Da setzte sie noch mal an. Erklärte mir erneut ihre Liebe zu mir und berichtete von dem Gespräch mit Lisa. Leicht irritiert bedankte ich mich abermals. Hatte sie es nicht gehört? War mein Dank nicht „ausreichend“ gewesen? Und wieder fing sie an mir ihre Liebe zu erklären. Mit genau den gleichen Worten. Als dann die Wendung zu unserer Tochter kam, versuchte ich sie zu unterbrechen. Sie aber machte einfach weiter, so als würde sie mich nicht hören …

Ich unterbrach irritiert die Verbindung und wählte mich erneut ein. Carola hatte mich bereits verloren, als ich anfing von meinem Traum zu erzählen.

Offensichtlich waren beide Wiederholungen Aufzeichnungen unserer Gesprächssequenz…

Wer zeichnet das auf? Und wozu wurde mir das wieder und wieder vorgespielt?

Ein tolles Feld für die wildesten Spekulationen:

  • Die göttliche Energie kapert das Mobilfunknetz um mir die Liebesbotschaft meiner Frau in ihrer wunderbaren Endlosigkeit vors Ohr zu führen?
  • Die NSA hat mitbekommen, dass ich mit meinem bescheidenen Experiment an der bestehenden Wirtschaftsordnung kratze und wollte mir mit dieser Wiederholung zu verstehen geben, dass sie mich im Blick haben?
  • Oder einfach nur eine „technische Panne“?

Wie auch immer. Ein leicht sureales Gefühl bleibt. Und ein gewisses Misstrauen gegenüber der Kommunikationsform Mobilfunk hat sich verstärkt.

17.08.2018

Vor – Zwischen – und andere Fehlurteile.

Neulich war eine Familiencrew mit vier Menschen an Bord. Früh gebucht, früh eine Anzahlung von 300€  für die Schiffskosten geleistet.

Im Laufe der Woche beschlich mich plötzlich das Gefühl, dass es sich hier um ein großes Missverständnis handeln könnte: Hatten sie meine Internetseite wirklich so verstanden, dass mit 300€ die Schiffskosten für alle vier abgegolten sind?

Nach nochmaligem Lesen meiner Seite und vor allem meiner standardisierten Buchungsbestätigung, wurde mir mit Schrecken klar, dass Gruppen die gemeinsam buchen, tatsächlich meine immer in Du-Form verfassten Texte so interpretieren könnten, dass es sich um Kosten für das gesamte Schiff handelt: Also eine Woche Segeln mit vier Menschen für 300€ plus 140€ für die Bordkasse.

Ein echtes Schnäppchen!

Mann habe ich mir zunächst ein Loch in den Bauch geärgert. Dann habe ich die Texte umgeändert und um den kleinen Zusatz „pro Kopf“ ergänzt. Aber jetzt war es für den laufenden Törn natürlich zu spät.

Immer wieder habe ich mit dem Gedanken gerungen, ob ich das Thema während des Törns ansprechen soll. Aber wozu sollte das führen? Wenn sie wirklich in dem Glauben des absoluten Schnäppchens gebucht hätten, würden sie sich ab sofort unwohl fühlen. Wenn nicht, würde mein Ansprechen nicht auch einen Schatten auf die Reise werfen? Und dabei war es einzig meine Unachtsamkeit!

Ich gebe zu, dass es mich einige Zeit gekostet hat, bis es mir gelang, Frieden mit meinem Fehler zu machen. Zunächst war ich einfach richtig sauer auf mich!

Letztlich habe ich es dann nicht angesprochen. Habe abgewartet, wie sie sich aus der Freiheit heraus entscheiden werden. Habe es innerlich wirklich loslassen können. (War nicht ganz so leicht, wie ich gehofft hatte.)

Zwei Wochen nach dem Törn erreichte mich dann diese Nachricht:

„ …Wir haben unser Sparschwein mal gefragt und sind trotz vieler Verpflichtungen und Unterhaltszahlungen zu einem hoffentlich allen Seiten akzeptablen Ergebnis gekommen.

Für dein Projekt, eine Woche Mitsegeln,  überweisen wir dir 2.222,22€.
Etwas Anzahlung hatten wir schon geleistet.

Vielen Dank für eine beeindruckende Woche…“

Wieder mal haben die Menschen mich überrascht. Wieder habe ich misstraut und gezweifelt und bin vom Leben (und den Menschen) eines Besseren belehrt worden.

Danke für die Lektion in Demut. Und Danke für Eure Großzügigkeit!

14.08.2018

Taucht (noch?) nichts!

Tagelang vor Anker, da einfach alle Häfen voll.

Das Wasser erfreuliche 24 Grad.

Erfreulich auch für das Antifouling-Experiment, an dem ich teilnehme, da ich zur Zeit im Wochentakt das Unterwasserschiff mit Spachtel und Schwamm tauchend von Pocken befreien muss. Das macht bei warmen Temperaturen natürlich deutlich mehr Freude!

Der Anstrich hat offensichtlich bei meinem Schiff komplett versagt. Bereits nach vier Wochen war das Schiff übersäht mit Seepocken. Jetzt wachsen sie bei den warmen Temperaturen weiter wie verrückt.

Jede Woche reinigen? Das mag für Boote, die nur kurz ins Wasser kommen, ein paar Tage fahren, und dann zurück an Land gehen, akzeptabel sein. Für die Anwendung bei Yachten scheint es nach meiner Erfahrung (noch?) total ungeeignet. Selbst wenn es eine Bootsreinigungsanlage im Hafen gäbe …

So taugt es jedenfalls nicht für die Praxis.

Ich dagegen habe meine Tauchzeiten deutlich gesteigert. Zumindest ein positiver Nebeneffekt dieses ansonsten als Fehlschlag zu verbuchenden Versuchs.

27.07.2018

Maßlos – Grenzen des Wachstums in dänischen Häfen.

Im alten Stadthafen von Aerö ist normalerweise Platz für 30 bis 50 Segelyachten. Jetzt in der Hochsaison ist er überfüllt mit riesigen Motoryachten. 60 Fuß lang, 5 Meter breit. Es braucht nur wenige von diesen Monstern, und schon ist der Hafen halb voll.

Auf so einem „Röchelfelsen“ – wie meine Kinder die Dinger früher etwas mitleidig genannt haben – befinden sich meist auch nur zwei bis drei Menschen. Diese benötigen aber für ihr schimmerndes Statussymbol so viel Raum wie 4 bis 6 normale Segelyachten. Also ein Nettoverlust an Besuchern für die Insel, nur teilweise ausgeglichen durch etwas höhere Hafengebühren.

Da es offensichtlich einen Trend zu immer größeren Schiffen gibt, und das leider nicht nur bei Motoryachten, ist absehbar, wann im Hafen nur noch Platz für drei bis vier solcher Scheußlichkeiten sein wird. Und dann irgendwann nur noch Platz für einen.

Was machen dann die, die keinen Platz mehr haben?

Und wird der Hafen dann noch so idyllisch sein, wie er es im Moment (noch) ist? Oder bauen wir einfach einen größeren Hafen? Aber der wird dann sicher nicht mehr den alten Charme haben?

Freiwillig Maß zu halten scheint mir eine der wirklich relevanten Kulturtechniken zu sein, wenn wir als Menschen halbwegs harmonisch zusammen leben wollen.

Wie lernen wir das?

 

23.07.2018

Ohne Worte.

… oder um es mit der Abwandlung eines Lyrik-Zitats zu sagen:

“ …Der Sommer ist sehr groß!“

 

05.07.2018

Moderne Sklaverei?

Wenn ein Unternehmen wie z.B. Flixbus mit einem Quasi-Monopol, aber ohne eigene Fahrer und Busse (sie besitzen einen einzigen Bus aus Lizenzgründen …), für die Bereitstellung der Plattform und der App mindestens 25% des Fahrpreises verlangt (genaue Zahlen sind sicher aus gutem Grund geheim), dann ist das in meinen Augen nicht freies Unternehmertum, sondern moderne Sklaverei.

Sie finanzieren und betreiben nicht die Busse. Sie bezahlen nicht die Fahrer. Nahezu das ganze unternehmerische Risiko verbleibt bei vielen kleinen Subunternehmern. Denen können sie mi ihrer Monopolstellung (Marktanteil 80%) die Preise diktieren.

Läuft es gut, kassieren die Betreiber ab. Läuft es schlecht, bleiben die Subunternehmer auf den Kosten sitzen. Sie selbst kassieren halt etwas weniger. Sie bekommen das Geld, die Arbeit machen andere und tragen dazu noch den Großteil des Risikos.

Sorry, aber wenn das die Zukunft unternehmerischen Handelns ist (und leider sieht es immer öfter danach aus, wie die Wachstumsraten von Amazon, Uber, Booking.com und Co. belegen), ist Streit vorprogrammiert!

10.07.2018

Probebühne Phoenix

„Wollen wir menschlichere, lebendigere, produktivere Lebensumstände schaffen – und dies ist die große Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte – dann ist das Erfinden, Durchdenken und experimentelle Durchspielen möglicher, wünschbarer, humaner Zukünfte von erstrangiger Bedeutung.

Wir sollten Werkstätten und Probebühnen schaffen, in denen die „Welt von Morgen“ in ersten Strichen skizziert, kritisiert, in verbesserter Form modelliert, abermals diskutiert und derart auf vielfache Weise dargestellt werden könnte.

Ohne Furcht vor Interessenverbindungen, ohne Bindung an Routine und falsche Vorsichten, ohne jede „Vernünftigkeit“, die sich stets am schon Gewussten, schon Gekonnten ängstlich orientiert und so zur Unvernunft wird.“

(Robert Junk)