Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

18.12.2018

 „Großer Jubel, Weltuntergang jetzt mit klaren Regeln“ titelte die taz letzte Woche nach dem „Klimagipfel“.

Mich beschleicht der Eindruck, dass wir einfach bereits verloren haben. Wir – die Menschheit und unsere heutige Kultur – sind einfach nicht mehr zu retten.

Wir werden das 1,5 Grad Ziel nicht erreichen.

Wir werden vermutlich auch das 2 Grad Ziel verfehlen.

Die junge Schwedin, die gerade mit ihrem Schulstreik für das Klima von sich reden macht, liegt leider richtig, wenn sie der versammelten Politprominenz in Kattowitz vorwirft, dass sie einfach zu unreif wären, um überhaupt das Problem zu erkennen. Und keiner widerspricht ihr. Vielleicht ein kurzer Moment der Scham? Dann Business as usual. Die Quartalszahlen – oder nächsten Wahlen wollen überlebt werden. Was schert mich da die Selbstzerstörung der eigenen Spezies?

Aber wo Anfangen mit der „Reife“?

In einer klugen Zeitschrift (OYA) schlug jemand sinngemäß vor, statt Klimaaktivist zu werden, doch einfach nichts mehr zu tun. Und das im großen Stil.

Ja,auch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich nach Lösungen suche, die mit den Worten: mehr, aktiver undAnstrengung zu tun haben.

Was, wenn unser eigentliches Heil im Lassen läge?

Im Ertragen des Nichts-Tun? Schon weil es nichts mehr zu tun gibt, was uns und unsere selbst herbei konsumierte Katastrophe noch aufhalten könnte.

Ausser vielleicht das Loslassen?

Könnte es wirklich so „einfach“ sein?

Aber hej, wer hat gesagt, dass es einfach ist, wirklich nichts zu tun? Ich selbst ertappe mich dabei, wie ich in den letzten drei Tagen, in denen ich konkret keine „wertschöpfenden Tätigkeiten“ zu tun hatte, immer wieder im Netz verschwinde, oder eben ein Buch lese. Beides ist aber wieder mehr vom Gleichen: Konsum!

Einfach nur Sein? Nichts „nützliches“ tun, produzieren, denken, lesen, schreiben, malen, will auch mir nicht gelingen. Spätestens nach einer Viertelstunde selbstverordneten Da-Seins ersticke ich an meiner eigenen Langeweile.

Wie wohltuend sind dagegen die Zeiten an Bord: da gibt es – selbst wenn das Schiff im Hafen liegt – immer zwei Dinge gegen diese Langeweile: Das sich ständig verändernde Wasser und die Menschen an Bord.

Wären also Beobachtung und Begegnung nicht-konsumistische Seinszustände? Echte Ausstiegsalternativen für unsere verbrauchssüchtige Spezies?

Aber wovon reden in den Begegnungen, wenn wir nichts mehr tun? Wovon berichten? Würde noch jemand Zeit mit mir verbringen wollen, wenn ich nichts mehr zu teilen hätte, als mein pures Da-Sein und meine Beobachtungen der verstreichenden Zeit?

Allein diese Frage zeigt mir, wie extrem gefangen ich selbst in der Welt der Aktionen und Ereignisse bin. Einfach nur zu sein ist mir als Alltags – und Dauerzustand so unvorstellbar fern. Mit mir selbst oder auch mitanderen Menschen.

Vielleicht kommen die Menschen eigentlich deshalb zu mir an Bord? Nicht weil ich ein scheinbar verrücktes Geldexperiment mache, oder so toll segeln kann, sondern weil sie bei mir Momente suchen, in denen einfach mal nichts zu tun ist? Momente, in denen sie ungehindert Beobachten/Wahrnehmen und Sein können?

14.12.2018

Lebenszeichen

Yes, I am still alive!

Komme nur gerade nicht zum Schreiben, da ich dabei bin die Website umzubauen:

Inspiriert von einem Gewürzversandhandel in Bremen, bei dem der Kunde den Preis der Ware auch selbst festlegen kann, baue ich gerade mit meinem Entwickler am FairPriceFinder25.de:

Über einen Schieberegler kannst du in Zukunft auf meiner Website den Preis festlegen und sehen, welche Auswirkungen das auf mein Experiment hat. Gleichzeitig macht ein weiterer Regler sichtbar, welcher Beitrag in welcher Relation zu deinem Einkommen stehen könnte. Als Anregung, diesen auch in Relation zur eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit zu sehen.

Nein, das ist jetzt kein Witz, auch wenn es natürlich nicht ganz ernst gemeint ist.

Ich hoffe, das neue Tool wir noch bis Weihnachten fertig.

10.11.2018

Lieber Ben,

Du hattest um Gedanken nach der Reise gebeten…

Viele Grüße
Sebastian

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$:  2016 habe ich eine Woche alleine 3.000€ bezahlt, dieses Jahr 10 Tage als Teil einer 2-3 köpfigen Crew 2.500€. Das finde ich verhältnismäßig. Oder müßte ich mit anderen Menschen an Bord mehr zahlen, da Ben dann mehr Arbeit hat und ich in netter Gesellschaft bin (die Reise mehr wert ist?!) Müßte ich mehr zahlen wenn ich weiß, dass die anderen das nicht so sehen?

§:  Ich möchte eigentlich nicht mit meinem Geld andere Menschen zu der Reise einladen, die ich gar nicht kenne. Dieses Geld spende ich lieber für andere wichtige Zwecke. Ich möchte aber auf jeden Fall auch, dass es Ben und die Phoenix in Zukunft weiterhin gibt. Ich hoffe, mein Beitrag reicht dafür.

?:  Wie kriegt Ben die Spaghetti mit Pilzsauce so lecker hin?

&:  Ist Ben mein Freund – bin ich sein Kunde?

%:  Wie kann ich meinen Alltag mit Menschen vernetzen, die anders denken?

€:  Ist an der Idee mit dem Grundeinkommen doch etwas dran?

03.11.2018

Stürmischer Hafentag (den hatte ich bisher „verschwiegen“…)

Heute kein Segeln, da es bereits am Morgen mit sieben Windstärken über die Kieler Förde pfeift. Für Mittags sind dann flotte acht bis neun angesagt.
Erklärte Schönwettersegler wie ich bleiben da natürlich gerne in Hafen.

Passend zum Wetter fährt es in mir mal wieder Achterbahn:

Da ist zum einen die Faktenlage: Wenn z.B. ein Paar mein Schiff und mich für eine Woche chartert mit der Bitte, keine weiteren Gäste mitzunehmen, und für eine exklusive Woche mit Privatskipper und Koch dann 1.900€ zahlen, fehlen zum Durchschnittspreis, den es für einen nachhaltigen Betrieb bräuchte, 200€. Würden sie ein vergleichbares Schiff ohne Skipper chartern, hätten sie mindestens 1.300€ ausgegeben. So war ihnen meine Arbeit und meine Zeit an Bord also 600€ wert. Für sieben Tage je mindestens 12 Stunden. Ergibt einen Bruttostundenlohn von 7,14€. Nicht berücksichtigt sind dabei die anteiligen Zeiten, die das Schiff vor und nach der Saison an Arbeit ja auch noch braucht.

Gleichzeitig sind 1.900€ für Schiff und Skipper zzgl. der Bordkasse von ca. 330€, also 2.230€ für zwei Personen, viel Geld für eine Woche Urlaub. Macht 318€ am Tag. Yeah! Segeln ist teuer!

Und nun wird`s spannend. Denn hier kommen meine subjektiven Gefühle und Urteile ins Spiel. Zufällig weiß ich, dass die beiden keine Kinder haben. Das Beide eher gut verdienen. Dies nicht ihre erste – und auch nicht die Letzte Woche in diesem Jahr auf einem Boot sein wird. Ihnen die Woche sehr gut gefallen hat. Trotzdem entscheiden sie, dass jemand sie anteilig zu dieser Reise einladen sollte. Und vermutlich wird in diesem Jahr dieser „Jemand“ wieder ich sein.

Ja, wenn ich es so betrachte, bin ich wütend! Habe ich das nötig für 7€ die Stunde für Menschen zu arbeiten, die selber ein Vielfaches davon verdienen? Würden sie selber für diesen Lohn arbeiten gehen? Beides ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem klaren Nein zu beantworten.

Nun mag jemand diesem Frust entgegnen: „Ben, was stellst du dich so an? Klar wirst du gelegentlich draufzahlen. Warum beschwerst du dich darüber? Die meisten Menschen sind noch nicht reif für die Freiheit und die Verantwortung, auch deine Seite des Deals mitzudenken!“

Dem mag ich entgegnen: Wir machen ja hier ein Experiment. Ich „beschwere“ mich nicht, sondern beobachte meine Reaktionen auf die Reaktionen der Menschen zu meinem Versuchsaufbau. Darum gehören auch meine Reaktionen unmittelbar zum Experiment. Sonst wäre das Ganze ja witzlos.

Meist sind mir diese Reaktionen bei mir eher unangenehm und peinlich. Meist behalte ich sie darum für mich. Und ja, meine Frau hat natürlich Recht wenn sie sagt, dass genau diese Reaktionen unbedingt dazu gehören. Dass auch meine Mitsegler ein Recht darauf haben zu erfahren, was ihre Teilnahme und ihr Beitrag bei mir auslöst. Dass das Experiment erst wirklich vollständig ist, wenn es am Ende auch für die Mitsegler ein Feedback von mir gibt: „Schau her, so ist es mir mit deiner Wahl ergangen. Es ist auf einer Ebene vollkommen Ok, wie du dich entschieden hast, denn ich habe dir die Freiheit geschenkt. Und trotzdem gibt es bei mir Reaktionen auf deine Wahl und um diese darfst du auch wissen. Nicht damit du deine Wahl änderst, sondern einfach um der Vollständigkeit halber.“

Wenn ich das so schreibe, merke ich wie sehr ich genau davor Angst habe. Ja, ich schäme mich für meinen Frust und meinen Groll. Ich schäme mich für meine Urteile die ich fälle, ohne wirklich die ganze Lebenssituation der Menschen zu kennen. Ich schäme mich für meine Erwartungen und weil ich gerne schon weiter wäre. Weil ich davon träume, dass es mir wirklich egal ist, was die anderen Menschen tun und reden. Ich schäme mich, weil meine Gefühle mir so deutlich zeigen, wie sehr ich selbst noch in dieses ganze Geldthema verstrickt bin.

15.10.2018

15.10.2018

Jetzt, wo es wieder vorbei ist, wird mir erst so wirklich deutlich, was für ein großes Geschenk es ist, etwas für Menschen tun zu dürfen.

Wie bereichernd für mich, dass ich mit meinen Fähigkeiten und meinem Wissen auch diese Saison gebraucht wurde.

Wie befriedigend und erfüllend, für andere tätig zu sein.

Wie absurd dagegen die Sorge der Grundeinkommens-Gegner, dass ich mich mit einem solchen dann auf die faule Haut legen würde. Das brächte mich um die größte Befriedigung, die Arbeit verschafft: gebraucht zu werden.

Darum hier noch mal ein lautes, herzliches: „Danke, dass ihr mich gebraucht habt.“

01.10.2018

Legal, aber unmoralisch!

McDonalds zahlt keine Steuern auf Unternehmensgewinne, da sie ein Steuerschlupfloch in Luxemburg nutzen. Das ist zwar legal, aber offensichtlich nicht in Ordnung. Dieses soll nun geschlossen werden.

Was bewegt Menschen dazu, bei einem unmoralisch handelnden Unternehmen weiterhin einzukaufen?

Wie schnell würde die Vorstandsetage einlenken und freiwillig ihre Gewinne versteuern, wenn massenhaft die Umsätze einbrächen?

Das bringt mich zu einer für mich neuen Idee, die gleich an mehrere Tabus in dieser Gesellschaft rührt: Steuergeheimnis und über Geld wird nicht gesprochen. Geboren wurde sie in einer der anregenden Diskussionsrunden mit einem Mitglied der bayrischen Staatsverwaltung hier an Bord: Warum streichen wir nicht alle Steuern und veranstalten jedes Jahr eine Bieterrunde für den Staatshaushalt? Wir könnten z.B. in einer öffentlichen Fernsehshow erst den Haushalt vorstellen und dann kann in einer Online-Bieterrunde jeder seinen Beitrag leisten. Es gäbe ein öffentliches Ranking, wo jeder einsehen kann, wie viel eine Person oder eine Firma gezahlt hat. Sinnvoll wäre es, auch gleich noch den Umsatz und den Gewinn desjenigen aufzuzeigen.

Es könnte einen Richtsatz von z.B. 10 Prozent vom Umsatz geben. Wer mehr zahlt, gewinnt an Status, da er mehr zum Gemeinwohl beiträgt.

Gleichzeitig könnte es auch eine Regelung geben, dass jeder über die Verwendung von 60 Prozent seines Beitrags im Haushalt selbst verfügen darf, sodass wir alle sehen könnten, was unseren Mitmenschen wirklich am Herzen liegt.

Wie sähe die Welt dann aus? Wenn es nicht mehr als „cool“ gilt, möglichst wenig beizutragen, sondern der Beitrag eine Ehre wird und einem Ansehen bringt?

08.09.2018

Hier verläuft die Grenze zur Barbarei:

Eigentlich soll dies ja kein politischer Blog sein. Und doch: immer wieder sehe ich Verbindungen zwischen meinem ökonomischen Thema und den „politischen“ Ereignissen. So auch in diesem Fall:

Vor ein paar Tagen geriet ich mit einem befreundeten Kapitän über die Frage der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer aneinander. Er vertrat die Ansicht, dass dies keine Menschen in Seenot seien, da sie ja aus rein wirtschaftlichen Gründen und in nicht seetüchtigen Booten sich wissend in Gefahr begeben hätten. Darum sollte man sie einfach ersaufen lassen!

Also übersetzt bedeutet das: In Zukunft entscheidet der Retter, bevor er Menschen in Seenot Hilfe leistet, ob das Schiff wirklich seetüchtig, die Crew ausreichend qualifiziert, und der Grund der Reise auch in den Augen des Retters ein angemessener war?

Das Völkerrecht (also die Grundübereinkünfte der Nationen untereinander) hat das verbindlich und klar hier geregelt: Nach internationalem Seerecht (SOLAS von 1974 und Internationales Übereinkommen von 1979 zur Seenotrettung) und seemännischer Tradition ist jeder Schiffsführer auf hoher See innerhalb seiner Möglichkeiten verpflichtet, unabhängig von Nationalität, Status und Umständen, in welchen sich die Hilfesuchenden befinden, bei Seenot unverzüglich Hilfe zu leisten, wenn er über eine konkrete Notsituation informiert wird. Staaten haben nach SAR-Konvention von 1979 bei Seenot ebenfalls Hilfe zu leisten und die Hilfesuchenden medizinisch zu versorgen und schnell an einen sicheren Ort zu bringen. (Quelle: Wikipedia)

Natürlich sehe ich auch, dass es keine Lösung für die Flüchtlingsfrage ist, nur die Menschen vor dem Tod durch Ertrinken zu retten.

Sie aber einfach vor unseren Augen absaufen zu lassen weil uns der Grund ihrer Reise nicht passt, ist in meinen Augen der Gipfel der Ignoranz und Barbarei und davon abgesehen schlicht strafbar.

Wir nehmen gerne und mit vollen Händen die Gaben Afrikas: Erze, seltene Erden, billige Arbeitskräfte, Tulpen, Kaffee, Gemüse, Fisch, Baumwolle, Diamanten, Gold, Öl und andere für unseren Lebensstil notwendige Dinge. Gleichzeitig sorgt die Art unseres Handelns dafür, dass immer mehr Verzweifelte aus den von uns mitgeschaffenen unerträglichen Umständen fliehen.

So ist jeder Flüchtling auch ein Botschafter eines „bad deal“. Solange wir mit Afrika weiter das Spiel: „wir gewinnen, ihr verliert“ spielen, werden wir diese Menschen hier sehen. Oder sie eben an unseren immer besser gesicherten Grenzen verenden lassen.

Erst wenn unsere „Geschäfte“ mit diesem wunderbaren Kontinent auch auf der anderen Seite des Mittelmeers ein Lächeln in den Gesichtern der Menschen erzeugt, wird dieses Thema verschwinden. Denn wer zufrieden ist, der bleibt.

Bis dahin aber ist es unsere und Pflicht als Seefahrer, zu Helfen und zu Retten. Alles andere macht uns zu Verbrechern.

05.09.2018

Fairer Preis?

Angeregt durch die Gehaltsverhandlungen meiner geliebten Frau mit ihrem potentiellen neuen Arbeitgeber (einer freien Schule), beschäftigt mich gerade wieder das Thema fairer Preis: laut deren „Gehaltsordnung“ bieten sie ihr bei einer Vollzeitstelle einen Nettolohn an, der ca. 200€ unterhalb ihres regelmäßigen Monatsbedarfs liegt.

Hier könnte ich nun lange über die Grundsätzliche Schwierigkeit der Finanzierung von Bildung und Kultur in Deutschland – und er von freien Schulen im Besonderen –schreiben. Mich beschäftigt eher die kleine Beobachtung, die ich bei mir selber feststelle, wenn ich „angemessen“ bezahlt werde: da ist so ein heiteres Lächeln in mir, eine Entspanntheit, ein sich unmittelbar einstellendes Gefühl von Großzügigkeit und Fülle.

Ich sehe dieses Lächeln nicht bei meiner Frau. Ich sehe ihre edlen Gedanken zur Wichtigkeit einer freien Schule und zu all den Schwierigkeiten, die eine freie Schule in unserem System hat. Und sicher wird sie die Arbeit trotzdem machen, solange ich es mir leisten kann, sie partiell mitzufinanzieren.

Aber das fehlende Lächeln, bzw. das an seiner Stelle stehende „ich mache es trotzdem“, wird seine Wirkung haben. In ihr, und durch sie auch auf ihr Umfeld.

Was mich persönlich am meisten dabei schmerzt ist der Umstand, dass wir es am Tempelhof nicht mit einem uns aufgezwungenen System zu tun haben, auf welches wir wenig bis keinen Einfluss nehmen können. Nein, wir wären frei z.B. unsere Schulbeiträge für die Eltern einkommensabhängig zu staffeln. Aber damit kratzen wir wieder am Grundprinzip unserer Gesellschaft: Ich gewinne, du verlierst. Staffelung würde ja bedeuten, ich gewinne etwas weniger.

Gleichzeitig wollen auch die finanzstarken Eltern eine freie Schule im Dorf haben, mit guten Lehrern, die ohne finanzielle Sorgen und mit ganzem Herzen (und ohne Zähneknirschen) sich ihrer Arbeit widmen können.

Warum nur ist der Zusammenhang da so schwer zu erkennen und umzusetzen?

Und noch ein Gedanke dazu: Meine Frau überlegt nun ernstlich, ob sie bei diesen mickrigen Angeboten nicht doch langfristig den Platz verlassen muss, um sich anderweitig eine Arbeit zu suchen. Dort, wo entweder die Kosten zum Leben günstiger sind, oder eben die Löhne fairer?

Wie wundervoll wäre es, wenn wir bei allen Bezahlvorgängen einander in die Augen schauen würden und so lange verhandeln, bis beide Partner des „Geschäfts“ ein Lächeln beim anderen sehen? Wenn das Anzeichen für einen wirklich guten „Deal“ eben dieses Lächeln wäre und nicht das Grinsen des Gewinners und Zähneknirschen des Verlierers. Und hier ist es egal, ob das zähneknirschende Akzeptieren eines eigentlich inakzeptablen Angebots aus Armut oder Idealismus erfolgt.

Vielleicht hinkt der Vergleich oder ist sogar vermessen, aber mir drängt er sich auf: Wie lange schon haben wir den Menschen in Afrika und im Nahen Osten keinen fairen Preis geboten? Wie lange knirschen sie schon mit den Zähnen? Wann zahlen wir endlich aus Einsicht so viel, dass ein entspanntes Lächeln jede Transaktion begleitet und der Gedanke an Flucht obsolet wird?

04.09.2018

Auch ein Motiv?

Und auch diese Frage bewegt mich immer wieder:

In wieweit ist der Impuls zu diesem Experiment aus einer persönlichen Verletzung entstanden, die ich durch einige entscheidende Menschen in der Gemeinschaft Tempelhof erfahren durfte?

Nach dem ich von ihnen für eine weitere Zusammenarbeit als „untauglich“ eingestuft worden war, brauchte es vielleicht dieses krasse Experiment, um mir selbst von der Welt (in Vertretung durch die Mitsegler und Spender) beweisen zu lassen: „Sieh her, das bist du uns Wert?“

Vor diesem Hintergrund könnte auch der nächste Schritt sein, dass ich mir erlaube den Menschen meinen Preis zu nennen. Dass ich festlege, soviel bin ich es mir Wert, wenn ich für euch tätig werde. Und klar würde ich damit auf krasse Weise mich selbst in den Vordergrund stellen. Würde die finanzielle Situation des Einzelnen nicht berücksichtigen. Würde in ein – im Moment leider immer mehr hoffähiges – „Ben first“ verfallen. Da will ich nicht wirklich hin!

Vielleicht war es ganz gut, dass ich meine Motive in all ihren Facetten nicht immer vollständig durchschaut habe?

Jetzt werde ich zumindest nichts für die Saison 2019 entscheiden, sondern das Ergebnis 2018 abwarten.

30.08.3018

Guten Appetit!

Bin gerade Glücklich. Das Essen schmeckt den Gästen. Sie empfehlen mir, doch im Winter ein vegetarisches Restaurant zu eröffnen …

Danke! Das sind schöne Komplimente. Und sie kommen an. Erreichen mein Herz. Freuen mich.

Ja, es tut gut, wenn meine Fähigkeiten und meine Arbeit geschätzt werden!