Ben Hadamovsky
Mit allen Wassern gewaschen

05.09.2018

Fairer Preis?

Angeregt durch die Gehaltsverhandlungen meiner geliebten Frau mit ihrem potentiellen neuen Arbeitgeber (einer freien Schule), beschäftigt mich gerade wieder das Thema fairer Preis: laut deren „Gehaltsordnung“ bieten sie ihr bei einer Vollzeitstelle einen Nettolohn an, der ca. 200€ unterhalb ihres regelmäßigen Monatsbedarfs liegt.

Hier könnte ich nun lange über die Grundsätzliche Schwierigkeit der Finanzierung von Bildung und Kultur in Deutschland – und er von freien Schulen im Besonderen –schreiben. Mich beschäftigt eher die kleine Beobachtung, die ich bei mir selber feststelle, wenn ich „angemessen“ bezahlt werde: da ist so ein heiteres Lächeln in mir, eine Entspanntheit, ein sich unmittelbar einstellendes Gefühl von Großzügigkeit und Fülle.

Ich sehe dieses Lächeln nicht bei meiner Frau. Ich sehe ihre edlen Gedanken zur Wichtigkeit einer freien Schule und zu all den Schwierigkeiten, die eine freie Schule in unserem System hat. Und sicher wird sie die Arbeit trotzdem machen, solange ich es mir leisten kann, sie partiell mitzufinanzieren.

Aber das fehlende Lächeln, bzw. das an seiner Stelle stehende „ich mache es trotzdem“, wird seine Wirkung haben. In ihr, und durch sie auch auf ihr Umfeld.

Was mich persönlich am meisten dabei schmerzt ist der Umstand, dass wir es am Tempelhof nicht mit einem uns aufgezwungenen System zu tun haben, auf welches wir wenig bis keinen Einfluss nehmen können. Nein, wir wären frei z.B. unsere Schulbeiträge für die Eltern einkommensabhängig zu staffeln. Aber damit kratzen wir wieder am Grundprinzip unserer Gesellschaft: Ich gewinne, du verlierst. Staffelung würde ja bedeuten, ich gewinne etwas weniger.

Gleichzeitig wollen auch die finanzstarken Eltern eine freie Schule im Dorf haben, mit guten Lehrern, die ohne finanzielle Sorgen und mit ganzem Herzen (und ohne Zähneknirschen) sich ihrer Arbeit widmen können.

Warum nur ist der Zusammenhang da so schwer zu erkennen und umzusetzen?

Und noch ein Gedanke dazu: Meine Frau überlegt nun ernstlich, ob sie bei diesen mickrigen Angeboten nicht doch langfristig den Platz verlassen muss, um sich anderweitig eine Arbeit zu suchen. Dort, wo entweder die Kosten zum Leben günstiger sind, oder eben die Löhne fairer?

Wie wundervoll wäre es, wenn wir bei allen Bezahlvorgängen einander in die Augen schauen würden und so lange verhandeln, bis beide Partner des „Geschäfts“ ein Lächeln beim anderen sehen? Wenn das Anzeichen für einen wirklich guten „Deal“ eben dieses Lächeln wäre und nicht das Grinsen des Gewinners und Zähneknirschen des Verlierers. Und hier ist es egal, ob das zähneknirschende Akzeptieren eines eigentlich inakzeptablen Angebots aus Armut oder Idealismus erfolgt.

Vielleicht hinkt der Vergleich oder ist sogar vermessen, aber mir drängt er sich auf: Wie lange schon haben wir den Menschen in Afrika und im Nahen Osten keinen fairen Preis geboten? Wie lange knirschen sie schon mit den Zähnen? Wann zahlen wir endlich aus Einsicht so viel, dass ein entspanntes Lächeln jede Transaktion begleitet und der Gedanke an Flucht obsolet wird?

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